Politisches Seeland

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Gatersleben im Landkreis Harz? Vision mit realem Hintergrund oder Böller im kommunalpolitischen Sommerloch?

Als vor Jahresfrist der Gatersleber Ortsbürgermeister Mario Lange in der Wahl eines neuen Bürgermeisters der Stadt Seeland denkbar knapp der Gegenkandidatin und Amtsinhaberin Heidrun Meyer unterlag, gab es anschließend von allen Seiten zahlreiche Bekundungen für ein neues und abstrichsloses Miteinander der einstigen Kontrahenten im Rat der Stadt Seeland.

Kommunalpolitische Konstruktivität sollte an die Stelle persönlicher und politischer Animositäten treten. Die Zahl der Goodwill-Bekundungen geriet zur Legion.

Dazu gehörte auch immer wieder das Bekenntnis zu einem sachlichen Miteinander aller Ortsteile der Stadt Seeland und in diesem lauen Wind schienen die Akteure zur wieder zur Tagesordnung überzugehen. Die stürmische See schien sich zum sanften Plätschern zu wandeln.

Und niemand konnte offenbar ahnen, dass in diese merkwürdige Stille und das berüchtigte politische Sommerloch hinein ein wahrer Böller geworfen werden würde, der gleich an zwei Stellen öffentlich detonierte.

Mario Lange dachte nämlich laut und deutlich gegenüber der VOLKSSTIMME Magdeburg – Halberstädter Tageblatt in Person ihres Redakteurs Dennis Lotzmann („Gatersleben facht Wechselfieber weiter an“, Printausgabe vom 13. Juli 2017, S. 16) und zwei Tage später in der MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG, Ascherslebener Zeitung vom 15./16. Juli d. J., S. 7, im Artikel von Harald Vopel („Seeland: Gaterslebener Ortsbürgermeister liebäugelt mit Austritt“) über eine Loslösung des Ortsteils Gatersleben von der Stadt Seeland und einen möglichen Weg in die Verbandsgemeinde Vorharz und damit den Landkreis Harz nach.

Die Argumente, die er dabei formulierte, waren nicht neu, eben so wenig deren sachliche Begründung, auch schien sich Lange der Tatsache bewusst, dass er damit zunächst nur seinen und den Willen einiger Ortschaftsräte artikulierte und doch setzte er eine Art Wegweiser für den Ortsteil, der einer im Detail komplizierten und möglicherweise langen – so denn gewollt – Entwicklung die Richtung weist. Und sicher kann noch niemand wissen, vielleicht nicht einmal ahnen, auf welche Hürden man dabei noch stoßen wird.

Verständlich, dass diese Überlegungen den Stadtrat und die Bürgermeisterin der Stadt Seeland völlig überrascht trafen, dem entsprechend fielen alle Kommentare dazu recht schmallippig aus.

Jetzt darf, ja muss man gespannt sein, welche Entwicklung Langes Brandsatz nehmen wird.

POLITISCHES SEELAND wird diesen Prozess für und mit seinen Leserinnen und Lesern begleiten.

In der MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG gelesen: Concordia See – Freigabe für touristische Nutzung erneut gescheitert

Der Concordia-See im Juni 2008 , Foto: Ingo Biron

Schadeleben – Enttäuschung macht sich breit im Seeland, seit bekannt wurde, dass die Teilfreigabe des Concordiasees für die touristische Nutzung nicht wie geplant in diesem Jahr stattfinden kann. „Es gibt intensiven Erläuterungsbedarf“, begründet Uwe Steinhuber, Pressesprecher der mit der Sanierung beauftragten Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), diesen Schritt. In den nächsten Wochen wollen Fachleute der LMBV und des Landesamtes für Geologie und Bergwesen (LAGB) beraten.

Heidrun Meyer, Bürgermeisterin der Stadt Seeland, bezeichnet die erneute Verschiebung der Freigabe als eine „herbe Enttäuschung“. Es sei allerdings wichtig zu wissen, dass alles genau unter die Lupe genommen werde. Nachdem im Juni 2016 ein Seilbagger in den Concordiasee gestürzt war, wurde dem Bergamt ein Gutachten übergeben und von der Behörde ausgewertet. „Im August soll ein Treffen stattfinden, bei dem wir Informationen darüber bekommen, wie es nun weitergehen soll“, sagt die Seeland-Bürgermeisterin.

„Masterplan“ zur touristischen Nutzung des Concordia Sees

Entsprechend der Aussagen des LAGB werde dann der „Masterplan“ zur touristischen Nutzung erneut angepasst. „Den Plan wollen wir endlich der Öffentlichkeit vorstellen, aber das können wir nicht, wenn wir nicht wissen, ob wir ihn tatsächlich so umsetzen können“, erklärt Heidrun Meyer. Sie wolle das LAGB zu keiner Entscheidung drängen, fordert aber, dass ein Zeitplan für die weiteren Abläufe aufgestellt wird. „Wir brauchen eine Sicherheit, an der wir uns orientieren können“, so die Bürgermeisterin. „Aber wenn die Fachleute ihre Zeit brauchen, dann ist das nun mal nicht zu ändern. Es gilt schließlich, ein erneutes Unglück zu verhindern.“ Das Projekt Concordiasee dürfe trotzdem nicht zu einer „unendlichen Geschichte“ werden.

Quelle: http://www.mz-web.de/aschersleben/concordia-see-freigabe-fuer-touristische-nutzung-erneut-gescheitert-27961664

In der MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG gelesen: 23 Jahre nach Selke-Hochwasser 1994 – Noch immer gibt es kein Rückhaltebecken

 

 

 

Von SABINE HERFORT (MZ)

Ermsleben – Das Selketal ist etwa 65 Kilometer lang. „Dort kann sehr, sehr viel passieren“, sagte Joachim Schimrosczyk, stellvertretender Geschäftsführer des Talsperrenbetriebs Sachsen-Anhalt (TSB), bei der Auftaktveranstaltung des Moderationsprozesses „Selke-Dialog“ und traf damit den Kern der Sache.

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) hatte zu der öffentlichen Veranstaltung in die St.-Sixtus-Kirche in Ermsleben eingeladen, mit dem Ziel, nach einjährigem Prozess eine Lösung zum Hochwasserschutz vorlegen zu können.

Erinnerung an das Hochwasser 1994

Jahrzehnte nach dem verheerenden Hochwasser 1994 hat die Region noch immer keinen verlässlichen Schutz, sollte die Selke erneut über die Ufer treten. „Die vorhandenen Stauanlagen wurden bereits an das, was möglich ist, angepasst“, so Schimrosczyk. Die Teiche könnten nicht einmal ein Drittel der Wassermenge von 1994 aufnehmen. Dauerhaften Schutz biete nur ein Rückhaltebecken – die Frage ist allerdings, wo es entstehen soll.

23 Jahre seien eine zu lange Zeit, um das Thema Hochwasserschutz nicht zum Abschluss zu bringen, meinte Ministerin Dalbert, die nun alle Seiten an einem Tisch versammeln will. „Unser Ziel ist, dass wir gemeinsam tragfähige Lösungen für den nachhaltigen Hochwasserschutz an der Selke entwickeln.“

Bauern, Waldbesitzer, Harzklub und Talsperrenbetrieb reden mit

Dieser soll bestmöglich für Mensch und Natur umgesetzt werden. „Dazu braucht es einen ergebnisoffenen Prozess“, so Dalbert. Sie will Bürgermeister, Bürgerinitiativen, Bauern- und Waldbesitzerverbände, die Umweltschutzverbände, den Harzklub, den Talsperrenbetrieb sowie das Umweltministerium an einem Tisch versammeln. Gemeinsam sollen sie nach Lösungen suchen.

„Ich habe Respekt vor dem, was wir uns gemeinsam vorgenommen haben“, sagte Hans-Joachim Döring, Umweltbeauftragter der evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, der den Prozess als Moderator begleitet. Denn klar ist: Hier treffen Meinungen aufeinander, die in den vergangenen 23 Jahren keinen gemeinsamen Nenner finden konnten.

Bürgerinitiativen wollen Hochwasser- und Naturschutz

Was die drei Bürgerinitiativen angeht, fasste Dalbert zusammen, dass es grundsätzliche Einigkeit gebe: Alle wollen Hochwasserschutz und alle sind für Naturschutz. Ein guter Startpunkt für eine Arbeitsgruppe, meinte sie.

Wulff Stubbe von der Bürgerinitiative (BI) „Pro Hochwasserschutzbecken Gatersleben“ kritisierte, dass die vorliegenden Vorschläge des Talsperrenbetriebs nicht ausreichten, favorisierte jedoch ein Rückhaltebecken in Meisdorf.

„Wir wollen nicht mehr als Bittsteller auftreten, sondern fordern“, kündigte Kurt-Helmut Wiese von der BI „Pro Hochwasserschutzbecken Reinstedt“ an. Die BI sei nicht gegen den Naturschutz, aber der Mensch gehöre eben auch zur Natur, betonte er.

„Wir sind keine Bittsteller“

„Wir haben erkannt, dass der Hochwasserschutz ein sehr komplexes Problem ist“, gab sich Norbert Jahn von der BI „Naturnaher Hochwasserschutz Selke“ versöhnlicher. Er forderte, dass der Prozess nicht schon mit vorher festgelegten Meinungen beginnt.

Falkensteins Bürgermeister Klaus Wycisk (CDU) sagte: „Ich vertraue den Fachbehörden des Ministeriums.“ Auch Marcus Weise (CDU), Bürgermeister in Harzgerode, appellierte, mehr Vertrauen in die Kompetenzen des Ministeriums zu haben.

Nach der ersten öffentlichen Veranstaltung zum „Selke-Dialog“ in Ermsleben sollen zwei weitere folgen, in der die Fortschritte und abschließend die Ergebnisse des Runden Tisches vorgestellt werden. (mz)

– Quelle: http://www.mz-web.de/27796766 ©2017

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